Telegramm und Brief in modernen Zeiten – Was die E-Mail wirklich ist
Unverwüstlich, auch dann wenn nichts mehr geht überschreibt Martin Weigert seinen Artikel über die Kommunikation mittels E-Mail. Kleinlich möchte man sagen, wenn überhaupt nichts mehr geht, geht auch keine E-Mail mehr raus. Aber ernsthaft, es ist natürlich richtig, die Protokolle mit denn E-Mails verschickt werden sind natürlich zuverlässiger und vor allem weniger anspruchsvoll was z.B. Leistungsstärke angeht. SMTP und IMAP haben, wie Weigert schreibt, tatsächlich ein bisschen etwas von Unverwüstlichkeit an sich.
Sie sind aber nicht nur bei Überlastungen des Netzes weit zuverlässiger als ihre modernen Alternativen. Sich Nachrichten über Facebook und Twitter zu schicken mag zwar State of the Art sein, man gibt sich in Sachen Kommunikation aber komplett in die Hand von Drittanbietern, während die Mail-Protokolle ein offener Standard sind. Und ein offener Standard, der auch in jedem Fall so simple Funktionen wie Anhänge bietet.
Eine andere Alternative zu E-Mails sind Messenger, die besonders in Unternehmen gerne anstatt von E-Mails genutzt werden (sollen). Bei meinem Arbeitgeber ist Microsoft Lync ein häufig genutztes Tool, dass natürlich weit mehr kann als eine simple Chatfunktion anzubieten – die Freigabe von anderen Bildschirmen zum Beispiel oder gar deren Kontrollübergabe an den Chatpartner. Aber auf seinen Kommunikationsfaktor reduziert, birgt es die gleiche Gefahr wie so manch anderer Chatservice. Die Leute neigen einfach dazu sich zu kurz zu halten. Das mag für Smalltalk zwischendurch ganz gut sein, für die Informationsübermittlung – so zumindest meine persönliche Erfahrung – ist es völlig ungeeignet. In einer E-Mail unterdessen neigt man – vermutlich aus purer Gewohnheit – dazu etwas länger und ausführlicher zu schreiben.
Mir drängt sich ein bisschen der Vergleich zur guten alten Zeit auf, als Nachrichten noch auf Papier übertragen wurden. Chatnachrichten haben ein bisschen den Charakter des guten alten Telegramms – obwohl ich persönlich natürlich nie im Leben eines bekommen habe – und die E-Mail ist nicht mehr und nicht weniger als die moderne Variante des Briefs.
















