Mai 19 2012

Telegramm und Brief in modernen Zeiten – Was die E-Mail wirklich ist

Unverwüstlich, auch dann wenn nichts mehr geht überschreibt Martin Weigert seinen Artikel über die Kommunikation mittels E-Mail. Kleinlich möchte man sagen, wenn überhaupt nichts mehr geht, geht auch keine E-Mail mehr raus. Aber ernsthaft, es ist natürlich richtig, die Protokolle mit denn E-Mails verschickt werden sind natürlich zuverlässiger und vor allem weniger anspruchsvoll was z.B. Leistungsstärke angeht. SMTP und IMAP haben, wie Weigert schreibt, tatsächlich ein bisschen etwas von Unverwüstlichkeit an sich.

Sie sind aber nicht nur bei Überlastungen des Netzes weit zuverlässiger als ihre modernen Alternativen. Sich Nachrichten über Facebook und Twitter zu schicken mag zwar State of the Art sein, man gibt sich in Sachen Kommunikation aber komplett in die Hand von Drittanbietern, während die Mail-Protokolle ein offener Standard sind. Und ein offener Standard, der auch in jedem Fall so simple Funktionen wie Anhänge bietet.

Eine andere Alternative zu E-Mails sind Messenger, die besonders in Unternehmen gerne anstatt von E-Mails genutzt werden (sollen). Bei meinem Arbeitgeber ist Microsoft Lync ein häufig genutztes Tool, dass natürlich weit mehr kann als eine simple Chatfunktion anzubieten – die Freigabe von anderen Bildschirmen zum Beispiel oder gar deren Kontrollübergabe an den Chatpartner. Aber auf seinen Kommunikationsfaktor reduziert, birgt es die gleiche Gefahr wie so manch anderer Chatservice. Die Leute neigen einfach dazu sich zu kurz zu halten. Das mag für Smalltalk zwischendurch ganz gut sein, für die Informationsübermittlung – so zumindest meine persönliche Erfahrung – ist es völlig ungeeignet. In einer E-Mail unterdessen neigt man – vermutlich aus purer Gewohnheit – dazu etwas länger und ausführlicher zu schreiben.

Mir drängt sich ein bisschen der Vergleich zur guten alten Zeit auf, als Nachrichten noch auf Papier übertragen wurden. Chatnachrichten haben ein bisschen den Charakter des guten alten Telegramms – obwohl ich persönlich natürlich nie im Leben eines bekommen habe – und die E-Mail ist nicht mehr und nicht weniger als die moderne Variante des Briefs.

Mai 18 2012

Filmkritik: Red State

Filmkritik: Red State

So manchem dürfte Kevin Smith‘s “Red State” etwas ratlos zurücklassen. Der Streifen hat zwar durchaus eine Heldin, aber die ist irgendwie mehr Opfer als Heldin. Aber was dem Film völlig fehlt, sind die Guten. Denn in “Red State” sind irgendwie alle die Bösen – und zwar auf die skrupellose und blutrünstige Art.

Dabei scheint am Anfang noch alles ganz einfach zu sein. Ein kleine Gruppe religöser Fundamentalisten demonstriert nicht nur bei der Beerdigung von Homosexuellen, sondern richtet sie zuvor auch brutal hin. Als sie einen Deputy erschießen, rückt das ATF an und umstellt das kleine aber festungsartige Anwesen, geht dabei aber so unprofessionell vor, das die Sache eskaliert.


Und dann werden auch die vermeintlich Guten zu den Bösen, denn Special Agent Joseph Keenan - ausgezeichnet von John Godmann gespielt – bekommt die Anweisung alles platt zumachen und zu töten. Wirklich alles, denn im folgenden Feuergefecht werden Geiseln erschossen und Sektenmitglieder, die überlaufen wollen, um die kleinen Kinder im Anwesen zu retten. Hauptsache keine Zeugen – dass es die am Ende doch gibt, verdankt man den Posaunen Gottes.

“Red State” ist die blutige Variante einer schlichten Wahrheit, die Fundamentalisten unabhängig von einer Überzeugung als das abstempelt, was sie sind: Menschen die über Leichen gehen und sich am Ende von ihrem Gegenüber keinen Deut unterscheiden. In einem Richard Dawkins steckt genauso viel Toleranz wie in einem Oberen der Piusbruderschaft. Jede Seite versucht für sich das Beste herauszuholen, ohne Rücksicht auf die andere Seite.

Am Ende ist es im Leben doch wie in der Geschichte, die Keenan vor dem Untersuchungsausschuss erzählt, der ihn befördert statt abstraft. Am Ende sind die Menschen nicht selten wie zwei Hunde aus einem Wurf, gemeinsam aufgewachsen und unzertrennlich, die sich für ein Stück Fleisch gegenseitig zerfleischen. Das ist wahrscheinlich die Moral von “Red State”, in der die Bösen gewinnen, weil sie auf beiden Seiten sind, und die Opfer eine Kugel in den Kopf bekommen.

FACTS: Red State (USA 2011) – Regie: Kevin Smith – Darsteller: John Godmann, Kerry Bishe, Melissa Leo, Michael Angarano, Nicholas Braun

Mai 18 2012

Was für ein Geek bist du?

Ich persönlich habe mich wohl für den Filmgeek entschieden …

The Sacred Order of Geeks
[Source: BCO | Via Geeks are Sexy]

Mai 17 2012

Ein Spaziergang im Sieboldgarten

Ganz ehrlich, ich glaube nach wie vor nicht, dass ich mich zum Naturfotografen eigene. Dennoch war ich heute mal mit der Kamera in dem relativ kleinen Sieboldgarten in Würzburg unterwegs. Vielleicht auch, um ja keinem Bollerwagen mit Bierfass drauf zu begegnen.

Sieboldgarten Würzburg (13) Sieboldgarten Würzburg (1) Sieboldgarten Würzburg (2) Sieboldgarten Würzburg (4) Sieboldgarten Würzburg (5) Sieboldgarten Würzburg (6) Sieboldgarten Würzburg (7) Sieboldgarten Würzburg (8) Sieboldgarten Würzburg (9) Sieboldgarten Würzburg (10) Sieboldgarten Würzburg (11) Sieboldgarten Würzburg (12)

PS: Und ganz versteckt hat auch diesmal mein ganz und gar natürlich geschaffenes Lieblingsmotiv seinen Einzug in die kleine Fotoserie gefunden. Wer findet es?

Mai 16 2012

Der Sherlock Holmes der Geek-Generation

Anfang Februar habe ich meine Leser ja gewarnt, sich im Mai nichts vorzunehmen. Denn Gerüchten zufolge sollte dann die ARD die 2. Staffel der grandiosen BBC-Serie Sherlock ausstrahlen – und morgen ist es dann so weit, um 20:15 Uhr läuft Sherlock – Der Skandal von Belgravia.

By Fat Les (bellaphon) from London, UK (Flickr) CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0), via Wikimedia Commons

Wer also mal nach zwei mehr schlecht als recht gelungenen Kinoadaptionen der Detektivgeschichten von Sir Arthur Connan Doyle sehen will, der sollte morgen unbedingt das Erste sehen. Nach dem Erfolg der 1. Staffel (ver-)sendet die ARD die Folgen auch nicht mehr im Nachtprogramm.

Den Köpfen hinter der Serie, Steven Moffat und Mark Gatiss, die auch bei Doctor Who ihre Finger mit im Spiel haben, ist ein erstaunliches Kunststück gelungen, als sie die Figur Sherlock Holmes in die Gegenwart verpflanzten. Herausgekommen ist eine Art Sherlock Holmes der Geek-Generation – ein Genie mit leichtem Hang zum Asperger Autismus. Ein echter Geek, der sich bei seinen Ermittlungsarbeiten auch der modernsten Technik bedient – was die Macher auch hervorragend umzusetzen wissen.

Ich persönlich habe die 2. Staffel schon im englischen Original gesehen und kann dementsprechend die neuen drei Folgen wärmstens empfehlen – sie sind so gut, dass nicht einmal eine deutsche Synchronisation sie kaputt machen könnte. Und als kleines Extra kommt dann auch noch eine meiner Lieblingsfiguren dazu, Irene Adler von Lara Pulver als Domina in den besten Kreisen verkörpert. Und wer ein bisschen an der Figur des James Moriarty in der 1. Staffel zu mäkeln hatte – nicht ganz zu Unrecht – wird vorgeführt bekommen wie das Böse es versteht in der modernen Medienwelt zu agieren.

Also, einschalten!

Mai 16 2012

Die Gewinnerente 2012 steht fest

Ja, ich weiß, dass schreibe ich jedes Jahr. Aber diesmal bin ich wirklich – wirklich sicher.

Meine Teilnehmerente fürs 11. Wildwasser Entenrennen.

Allerdings frage ich mich schon, was ich mit einem Kajak, das es als ersten Preis gibt, so anfangen soll.

Mai 15 2012

Mit dem Bischof in der Straba

Foto: Screenshot BR online

“Nichts gesagt, ist genug gelobt.”

alte fränkische Weisheit

Ach ja, ich erinnere mich noch an Diskussionen mit einem Redakteur bei TV touring, dass man so etwas ähnliches wie die Sendung Nachtlinie des Bayerischen Rundfunks eigentlich auch in Würzburg machen sollte. Aber wie die meisten Nicht-Studio-Konzepte ist das Ganze nie über eine Idee hinausgekommen und inzwischen fährt der BR dann selbst Straba (Würzburgerisch für Straßenbahn). Zu Gast ist der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann: Hier geht’s zur Nachtlinie.

Mai 15 2012

Checkliste für mehr Erfolg mit Newslettern

Mit dem Thema Newsletter habe ich mich ja schon bei TV touring beschäftigt, jetzt gehört dieses Marketinginstrument nur noch am Rande zu meinen Tätigkeiten. Ich hab trotzdem mal im Archiv gekramt und was zu Slideshare hochgeladen.

Mai 14 2012

B2B und Social Media – Wie schizophren ist das denn?

Je länger ich mich mit dem Einsatz von Social Media im Business-to-Business-Bereich beschäftige, desto mehr glaube ich so manch Verantwortlicher in diesem Bereich muss die ein oder andere gespaltene Persönlichkeit haben. Gerade heute habe ich wieder eine Studie gelesen, nach der nicht mal die Hälfte der Unternehmen aktiv Social Media betreibt und über 65% glauben, damit ihre Kunden im B2B-Bereich ohnehin nicht erreichen zu können. Aber traumhafte über 80% glauben, dass Thema Social Media seit wichtig oder sogar sehr wichtig.

Kurz zusammengefasst, sie glauben etwas ist ziemlich wichtig, aber es nutzt ihnen nicht viel.

Beim Nutzen fängt es aber an. Was nutzt mir das Engagement in Social Media? Ich behaupte mal, es gibt drei große Nutzen: 1. Die Bekanntheit der Marke wird gesteigert! 2. Die Kundenbindung wird unterstützt! 3. Social Media wirkt sich positiv auf die Besucherzahlen der Webseite aus, über die ich meine Produkte vermarkte!

So manchem B2B-Manager fehlt da natürlich die direkte Leadgenerierung, die er zum Beispiel auf Messen oder bei Verkaufsgesprächen hat. Die sind meiner Ansicht nach über Social Media tatsächlich in der Regel nur indirekt zu erreichen. Denn selbst bei der besten Social Media-Analyse der eigenen Aktivitäten gilt hier der berühmte Ford-Spruch vom Marketingbudget, das zu 50% rausgeschmissenes Geld ist.

Wer glaubt, seine Kunden seien nicht über Social Media erreichbar, der könnte natürlich auch meinen 1. Nutzen bezweifeln, die Steigerung der Markenbekanntheit. Schließlich reicht es für die meisten Unternehmen im Bereich B2B aus in ihrer Branche bekannt zu sein. Ich komme ja ursprünglich vom Fernsehen und da werden naturgemäß nur wenige Spots aus dem B2B-Bereich ausgestrahlt – also gar keine. Warum? Weil es keinen Sinn macht einen Werbespot zu finanzieren, der selbst bei idealen Verhältnissen nur einen kleinen Bruchteil der Zuschauer überhaupt adressiert. Doch diese Denkweise aufs Social Web zu übertragen ist natürlich falsch, denn das Internet sendet keine Werbebotschaften, es hält Werbebotschaften dort bereit, wo ich gezielt hingehe oder hingelenkt werde. Und so ist es auch mit den Botschaften und der Kommunikation in diesem Bereich. Das Unternehmen kommuniziert nur mit seinem Businesskunden und der ist eben mit der gleichen – in manchen Branchen eher höheren – Wahrscheinlichkeit im Social Web zu finden, wie die Kunden im B2C-Geschäft. Ganz ehrlich, dank der heutigen Verbreitung von Facebook, Twitter & Co. finde ich es fast schon ein bisschen fahrlässig, Social Media im B2B auszuklammern.

Mai 13 2012

Filmkritik: The Devil’s Rock

Filmkritik: The Devil's Rock

Ein großer Philosoph und persönlicher Freund von mir prägte den Satz “Life is a bitch”. Auf einem der Plakate zum neuseeländischen Horrorfilm “The Devil’s Rock” steht zu lesen, “War is a bitch”. Aber eigentlich wäre wohl passender zu schreiben, “The devil is a bitch” – und was für eine.

“The Devil’s Rock” startet wie ein gewöhnlicher Kriegsfilm. Kurz vor der Landung der Alliierten in der Normandie, landen zwei neuseeländische Elitesoldaten auf einer einsamen Kanalinsel um eine Stellung der Deutschen zu sabotieren. Als sie die Schreie von vermeintlichen Folteropfer hören, entschließen sich die beiden Soldaten zu bleiben und dringen in die unterirdische Katakombe der Nazis ein – um lauter zerfleischte Nazis vorzufinden. Bis auf einen SS-Offizier, ein Spezialist für Hitlers Okkultwahn, der weiß, dass die Schreie des vermeintlichen Folteropfers eher genau das Gegenteil davon sind.

Neuseeland ist im Genre längst kein Geheimtipp mehr und “The Devil’s Rock” bestätigt den Ruf aus Kiwiland auf ein Neues. Genregemäß ist der Film ziemlich blutig und trägt den roten “FSK 18″-Button nicht ganz zu unrecht. Was den Film aber sehenswert macht, ist die Tatsache das die große Abschlachterei schon vor oder im ersten Teil des Films abgehandelt ist. Was bleibt ist ein Dämon, feuerrot oder mal menschlich wandelbar, und ein Neuseeländer und ein SS-Mann. Es mag komisch klingen, aber auf weite Strecken hin ist “The Devil’s Rock” ein hervorragendes kleines Kammerspiel. Das wäre freilich noch besser gelungen, hätte man dem SS-Mann ein paar weniger Klischees und etwas mehr Boshaftigkeit erlaubt. So funktioniert das Zusammenspiel und das Gegenspiel der beiden Hauptakteure nur halb so gut.

FACTS: The Devil’s Rock (Neuseeland 2011) – Regie: Paul Champion – Darsteller: Craig Hall, Matthew Sunderland, Gina Varela

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